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Aufregen und aufregen lassen

Ja aufregen, das müsste man sich. Weil man nicht geschlafen hat. Oder weil...

feuchte Träume der Gleichberechtigung



Ich finde ja diese ganze Gleichberechtigungsdiskussion und erst recht, das, was gern mit Gender* daher kommt eher so subspannend. Teilweise reagiere ich auch genervt darauf. Je überdeutlicher und überkorrekter es wird, umso stärker wird mein Ablehnungsreflex, gern auch mal in Verbindung mit Sarkasmus. Vielleicht einfach schon, weil das allermeiste davon von Frauen kommt und ich mich daher sofort in eine Abwehrposition bewege. Ganz sicher aber auch, weil ich die Diskussionen zu allermeist extrem unentspannt und absolutistisch verstehe. Es scheint meist nur schwarz oder weiß, Freund oder Feind zu geben und wenig Möglichkeiten zu Kompromissen, geschweige denn dazu, mal die andere Sichtweise einzunehmen. Nicht nur weil es selbstreflektiert wirkt, schließe ich mich da garnicht aus.

Von Fischen und Mustern im Gehirn

Zeichnung vom Fisch

Es ist eine Krux. Eine Endlosschleife, wie ein Möbiusband. Aber gemeint ist dennoch auch eine dieser Theorien, die in so vielen Fällen passend erscheint und (was bei Theorien vielleicht noch wichtiger ist) die bei der Betrachtung von Bekanntem neue Blickwinkel eröffnet und somit Weiterdenken ermöglicht. Es geht um Muster. Genauer gesagt geht es um die Unterstellung, dass unser Gehirn genau dazu entwickelt ist Muster (bzw. Strukturen) zu detektieren.

Die Welt ist keine Modelleisenbahn.

Ich bitte euch, liebe Verantwortliche im leinen und großen Kontext, hört endlich auf so zu tun, als ob ihr die Welt im Griff hättet. Hört auf so zu tun, als könntet ihr Schlimmes verhindern. Hört auf so zu tun, als wüsstet ihr mehr über das Chaos da draußen, als jeder andere.

Bitte lieber Barack Obama, hör auf so zu tun, als sein ein Hurrican ein Krieg den man gewinnen müsste oder auch nur könnte. Ein Hurrican ist Strum mit viel Wind und viel Wasser, da gehen Dinge kaputt und es wird nass, vielleicht auch sehr nass. Aber er ist kein Gegner und kein Feind. Er ist Ergebnis der Entwicklung dieses Planeten und gestaltet sie teilweise mit. Er hat keine Seele und verfolgt keine Absicht. Er ist nicht böse, auch wenn er viel Übles anrichten kann.

Die eine oder andere Erkenntnis - zum Glück.

Ich bin weder so offen noch so ehrlich noch so schonungslos, wie ich gern wäre. Zumindest ist das das Ergenbis der ersten paar Stunden in der wiedergekehrten Realität (oder wie immer man das, was nun wieder im Wochenrhythmus vorüberschäumt, nennen mag). Ich habe mal wieder ein größeres Stück in einem Buch gelesen. Um genau zu sein in Haruki Murakamis (der ja schon öfter hier aufgetaucht ist) Sputnik Sweetheart.

Netzneutralität, Internet-Enquette und ein angenehmes Gefühl



Im Grunde ist es eine angenehme Mischung, das Gefühl, das sich bei mir in Bezug auf diese Netz-Neutralitäts-Enquette-Diskussion einstellt. Ein angenehmes Gefühl zu einer sehr unangenehmen Sache, aber da es sich aus Empörung und kopfschüttelnder Resignation zusammensetzt, scheint sich ein gut erträglicher Mittelwert herauszubilden. Netzneutralität?

Netzneutralität bedeutet, dass sämtliche Daten und Datenpakete (also die Häppchen an digitialen Informationen, die im eigentlichen Sinne den "Verkehr" im Internt haben darstellen) gleichwertig behandelt werden. D.h., dass bei der Weiterleitung dieser Häppchen zwischen Computern, Netzwerken, Internetanbietern und Kunden, egal ist, ob gerade eine E-Mal, Werbung, ein neues Schweinchen für Farmville oder Porn vorbeischwirrt. Netzneutralität ist quasi der Grundgesetzartikel 3, Absatz 3 (Benachteiliungsverbot) der Digitalität.

Dinge lernen

"Gewissermaßen schließt du Freundschaft mit dem Tod und sprichst dich sozusagen mit ihm aus." steht auf einer der letzten Seiten von Murakamis "Kafka am Strand" (der war ja schon ein paarmal hier). In der Szene wird erklärt, mit welcher Einstellung man Surfen lernt und irgend wie finde ich das ziemlich schlüssig.

Man lernt Dinge dann, wenn man zwei entscheidende Ängste verliert. Die vor der Zeit und die vor dem unmittelbaren Tod. Es wird beschrieben, dass man - um RICHTIG Surfen zu lernen - eine lebensgefährliche Situation beim Surfen er- (und natürlich über-) lebt haben müsse. Diese führe zu obiger Erkenntnis, dass die eigene Vergänglichkeit, das persönliche Scheitern eben immer elementarer Bestandteil eines Lernprozesses ist.

Kafka am Strand

Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an dieses Leben gewöhnt. Dieses coole interessante Leben, das Figuren in Büchern führen und das allein schon deswegen den Anschein eines interessanten Lebens hat, weil man sich bis zu diesem Punkt durch gelesen hat.

Im Prinzip sind diese "Heldenleben" langweilig. Todlangweilig. So langweilig, wie ein Macel Proust-Roman, in dem es keine Helden gibt, weil den Charakteren schlicht Nichts passiert oder wenn etwas passiert ist man von den 200 Seiten davor so narkotisiert, dass man es nicht mehr mitbekommt.

Information(en)

Wenn man mal zwischendrin eine Woche unvorhergesehen frei hat, gezwungener Maßen die eigenen Ansprüche an Leistungs- und Vollendungsfähigkeit heruntersetzen muss und dies nach zwei, drei fiebrigen Nächten auch akzeptiert, kommt man in die Lage, sich umfassend zu informieren. Radio und Internet bieten die Möglichkeit neben den alltägichen Nachrichten verschiedensten Themen nachzugehen. Man kann nachrecherchieren und die Fragen (die sich in der täglichen Nutzung von Medien nicht einmal so recht stellen wollen) zu beantworten versuchen.

Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem auch dies Überdruss bereitet. Das nervige und über Stunden inhaltsgleiche Wiederholen von "Meldungen" und "Hintergründen" und "Fakten" und "Spekulationen" verschwimmt zu einem Brei, der das Gehirn verklebt und dessen man sich schleunigst entledeigen will. Einfach abschalten, wie damals bei Peter L.

Ich will mein Internet behalten.

Eigentlich weiß ich nicht so genau, wie ich den Artikel schreiben soll. Ich würde gerne vorgeben, die Dinge die gerade passieren richtig bewerten und entsprechende Prognosen ableiten zu können. Aber das kann ich nicht. Ich kann nur sagen, dass mir einiges an dem was gerade so um das Internet herum passiert, nicht gefällt. Und dass einiges darauf hindeutet, dass es in 2-3 Jahren dieses freie Medium so nicht mehr geben wird. Der "freie" Bereich wird eingeschränkt und das passt mir nicht.

Richtig und Falsch.

Normalerweise komme ich ganz gut damit kar, nicht so genau zu wissen was das ist. Ich mag die Unschärfe zwischen diesen beiden Polen, die es ja eigentlich überhaupt nicht in Reinform gibt. Bei vielen Dingen schere ich mich auch garnicht darum, mir zu überlegen ob es richtig oder falsch ist sie zu tun. Da geht es mir vorrangig darum, zu entscheiden, ob ich sie tun möchte oder nicht. Auch wieder ein Dualismus.

Geht es anders? Kann man anders denken? Anders als gut vs. schlecht, nützlich vs. schädlich, angenehm vs. unangenehm? Ist nicht die Annahme, man würde in den vielen Graustufen dazwischen agieren, nur ein großer Selbstbetrug? Will (oder Muss) man nicht das Gefühl haben das Richtige zu tun? Oder kann man gänzlich in Unwägbarkeiten leben? Und wenn ja, wie lange?

Ich hab das schon einmal gemacht.

Vor ein paar Jahren. Genauer: Vor über zehn. Einfach alles zusammengepackt, alle Zeichnungen, Kritzelleien, Textefragmente, viel Schulzeugs, Plüschtiere glaub ich auch, Ordner, Zeitschriften. Alles zusammengepackt und ab in den Container. Ohne viel Nachdenken einen guten Teil von dem was war einfach weggeworfen.

Das war irgendwie komisch und es gibt immer noch Momente in denen ich dran denke. In denen mir einfällt, dass dies oder jenes wohl dabei war. Vage Erinnerungen, nichts wirklich Greif- oder Beschreibbares, Ahnungen, nicht mehr. Fragmente eines pseudofotografischen Gedächtnisses.

Hin und wieder gibt es diese Momente,

zwei, drei Minuten im Regen, im Dunkeln, am Rande. Wenn das Licht stimmt oder die Luftfeuchtigkeit oder die Summe an Gerüchen. Wenn alles das was nicht ist, genau richtig ist, eben weil es nicht ist. Weil in dem Moment, in dem jeweiligen Jetzt-und-Hier genau diese Unvollkommenheit, den Charm, die Romantik, die Stille ausmacht.

Wenn egal wird, wer was wann wo wie geschrieben, gesagt, gemeint hat. Oder man selbst. Egal, dass man gerade alles auf einen Schlag einfach seinlassen und weggehn oder da bleiben könnte. Egal, dass man das eben doch nicht kann, weil der Augenblick einen dermaßen fesselt, dass ein Ausbruch aus der eigenen, gleichförmigen Bewegung unmöglich erscheint, während man feststellt, dass selbst das Sich-auf-das-Genießen-konzentrieren nur eine lächerliche Farce ist, angesichts des Genusses, der sich unabwendbar erschließt.

Überlasst das Denken den Pferden, denn die haben die größeren Köpfe.

Liebe Politik,

war es wirklich zuviel verlangt mich, einmal in dieser Woche, einmal im Monat oder im Jahr, nur einmal im Jahrzehnt zu überraschen. Ich meine wirklich überraschen. Nicht nur so ein angedeutetes "wir tun jetzt mal so, als wär´s Demokratie" oder "frei" oder "geheim".

Wenn jetzt noch einer kommt und irgendwas davon faselt, dass mit den Linken kein Staat zu machen sei, ja wieso soll ich dem nicht auf die Schulter klopfen und lächeln? Wenn nochmal wer kommt und faselt, dass die neuen Medien (und immer ist das Netz gemeint), endlich in der gesellschaftlichen Realität mit einer wirklichen Gestaltungsfunktion angekommen sind, wieso sollte ich dem nicht auf die Schulter klopfen und lächeln? Wenn mich jemand fragt (und ich werde bezahlt dafür, gefragt zu werden), warum denn eher jemand Staatsoberhaupt wird, der glaubt, als jemand der versucht Dingen auf den Grund zu gehen, wieso soll ich dem nicht einfach auf die Schulter klopfen und lächeln.

Habt ihr alle keine Eier?

Zuerst wollte ich den Text mit "Das es sowas noch gibt." betiteln aber: Ach, huch, den kenn ich doch. Jetzt hätte ich fast geschrieben, dass es bei der faz noch Autoren gibt, die über eine Sprachreflexionsfähigkeit verfügen, die an Victor Klemperers LTI-Tagebuch erinnnern. Allerdings habe ich dann nochmal nach dem Namen des Autors geschaut - es war (halt) Steffan Niggemeier.

Ich schreibe eigentlich nicht mehr gern über so Internet-Gesellschafts-Meta-Zeug,

aber (und der aufmerksame Lesen wird diese "Aber-Erwartung" sicherlich nach der Überschrift schon in sich tragen) - aber, vielleicht ist es ja nicht nur "Meta", was mir dazu einfällt.

Wozu? Hmm, ich versuch mal den Bogen zu schlagen. Seit dem Vortrag von Peter Kruse auf der re:publika, in der er ganz grundlegend zwischen Digital-Residents (aktiv mitgestaltende, eher freiheitsliebende Netznutzer) und Digital-Visitors ("Be"-nutzende, eher sicherheitsliebende Nutzer) unterscheidet, interpretiere ich vieles von dem, was ich über die "Zukunft des Internet" (und damit der Gesellschaft/en) lese, hinsichtlich dieser Unterscheidung.

Wie glaubhaft, wahrscheinlich und notwendig

die begleitende Unterstützung von Radiosendungen durch "Das Internet"(TM) ist, zeigt diese Pressemitteilung des Hessischen Rundfunks (http://www.hr-online.de) die über den geplanten Talksendungsgroßangriff auf die Meinung und Partizipation der Bevölkerung berichtet, bei dem gerade die "jungen Hörer ausführlich zu Wort kommen" sollen.

Jene jugen Hörer, die es gewohnt sind auf Seiten dieses Internetzes Internetadressen zu kopieren, um sie hernach in den Internetadresseingabebereich ihres bevorzugten Internetnavigationsanwendungsprogramms einzufügen und anzusurfen (ansufen, umgangsspr. Begriff für das Besuchen einer Seite im World-Wide-Web). Aus diesem Gunde hat die Pressestelle des HR auch entsprechende weiterführende Internetseitenadressen am Ende der Pressemitteilung eingefügt.

Medien, Kultur, Veränderung und so.

Was ich erstaunlich finde an den aktuellen Plagiatsvorwurfsdiskussionen und Entschuldigungen rund um das Buch "Axolotl Roadkill" ist zum Einen, dass die von der Autorin und dem Verlag gelieferte Entschuldigung/Erklärung zunächst plausibel ist, aber offensichtlich nicht so ohne weiteres kommentar- und diskussionslos akzeptiert werden will. Es bietet sich an, den Urheber-Spieß umzudrehen. Und zum Zweiten, dass in den Kommentaren zu den entsprechenden Artikel nirgends (ich habe nicht alle gelesen!) mal darüber nachgedacht wurde, wie denn eine 16/17-jährige das Netz wahrnimmt und benutzt.

Kurz zur Vorgeschichte:

Die zehn Gebote sind fürn Arsch!

Ich bestreite hiermit, dass die zehn Gebote die unbestrittene Grundlage unserer Kultur sind. Und schon sind sie es nicht mehr.

Daneben gibt´s beim Feuerbringer auch noch ein, zwei plausible Gründe an der gesellschftsgrundlageschaffenden Wirkung der zehn Gebote zu zweifeln.
via holgi