DENKEN

ACTA und warum ich das nicht will. (Update)

Es ist wie so oft. So schlimm wie es hier für ACTA theoretisch dargestellt wird, wird es nicht kommen. Zumindest zunächst nicht. Der Effekt von unverhältnismäßig harten (unglaublich undemokratischen) Gesetzgebungsverfahren läuft oft gleich ab. Zunächst gibt es außerordentlich überzogene Forderungen, auf die dann Kritiker aufmerksam machen, was zur Empörung (aber mittelfristig auch zur Ermüdung) führt, zu einer Abschwächung (und Komplexisierung) der Thematik und schließlich zu schwer kommunizierbaren Entwürfen, die in der Öffentlichkeit aufgrund der Vorgeschichte als relativ harmlos wahrgenommen werden, sofern man überhaupt noch Energie aufbringt sich damit zu beschäftigen.

Sag mal, geht's noch?!? Anscheinend ja, anscheinend geht's noch.

Die Frage lautet: "Geht´s noch?!?" Und die Antwort lautet irgendwie immer: "Ja. Ja, es geht noch. Is zwar nicht so dolle, aber es geht noch." Noch?!

Wann wird denn das noch zu einem "nicht mehr" werden? Wann wird es wirklich genug sein? Wann wird endlich damit aufgehört, so zu tun, als sei all der Unfug, der geschieht, der entschieden wird, der umgesetzt wird unvermeidbar oder unbeeinflussbar? Wann ist eine ausreichende Sättigungshöhe erreicht, um sich selbst einzugestehen: "Nein, das geht jetzt so nicht mehr. Das werde ich so nicht mitmachen."?

Wut und so

wut

Ich kann mich ja hin und wieder fortrefflich aufregen. Über dies und das im Allgemeinen und über Disfunktionalität im Besonderen. Steigern lässt sich das nur noch durch das spontane Eintreten von Disfunktionlität von gewohnt Funktionierenem gekoppelt mit akuter Zeitnot. Oder anders: ES GING NICHTS. VERF*'#&%§$"TE SCHEISSE!!!!!

So geschenen am letzen Freitag, dem Tag vor Heilig Abend. Ohnehin alles kurz vor knapp, Gedränge, Unfertiges, temporäre Kompromisse und bereits Verschobenes aufs nächste Jahr im Gedächtnis. Natürlich ist das immer nur ein subjektiver, verfälschter Eindruck, dass Dinge, von denen man gewohnt ist, dass sie funktionieren und Abläufe die man bereits mehrere hundert mal so vollzogen hat und die auch zu dem gewünschten Ergebnis führten, plötzlich und unerwartet und besonders häufig in brenzligen und zeitdrückenden Momenten ihren Dienst versagen. Da stürtz ein Programm ab, da klappt eine Verbindung nicht oder das Format der URLs haut irgendwie nicht hin. All sowas.

Bremsspuren, Bindestriche und Sekundenschlafe



Es ändert sich viel, wie es scheint. Und mehr noch als Fragen, produziert das alles Müdigkeit, Erschöpfung. Entscheidungen werden getroffen. Und sicher nicht zum Nachteil, aber genau - genau weiß man es halt nicht. Irgendwie bekommt man alles mit, weiß wo man ist und was passiert - und doch: Es ist ein wenigt milchverglast. So wie diese Texte, in denen viele - ich möchte sagen Bindestriche vorkommen. Texte denen man die Bremsspuren und Sekundenschlafe des Gedachten anliest.

Anders ist es auch, denn ein paar der eigenen Ziele bleiben welche und erreichbar und ganz gewisst ist dies ein doppelter Schlag ins Gesicht des Finanzamtes.

Draußen tobt der Zirkus. Aber im lichtlosen Dezember, kann man sich der hoffungstrachtenden Romantik der Lichter im Dunkel nicht erwehren. Dabei ist man garnicht hoffnungslos. Ganz im Gegenteil schreit und lacht alles um einen herum und man selbst bekommt es hin, das zu genießen und nicht wild und Tassen umrempelnd mitzupoltern, sondern behutsam staunend zu betrachten und sogar hin und wieder zu schlafen. Doch zu schlafen und mehr noch - zu träumen.

Filtern und Blasen

goldener reiter

Hier liegt ein Zettel auf dem steht "Filter". Damit ich das nicht vergesse, weil ich was über Filter schreiben wollte. Nicht über das Zeug, was in Abzughauben so widerlich wird, auch nichts mit Rauchen und auch über diese unsägliche Methode Kaffee zuzzubereiten möchte ich hier nichts weiter verlieren. Filter, die uns den Zugang zur Welt ermöglichen, dass soll das Tema sein.

In den letzten Wochen tauchte immer wieder der Begriff der "Filter-Bubble" auf, den wohl Sascha Lobo geprägt hat, um zunächst ein Prinzip der (heutigen) Mediennutzung zu beschreiben. Kurz gesagt meint "Filter-Bubble" eine imaginäre Blase in der man sich "bewegt", deren hauchdünne Ränder sich dadurch auszeichnen, dass sie - ähnlich wie die Haut einer Seifenblase die Welt drum herum - die Innenwelt widerspiegeln, sodass man immer nur mit dem konfrontiert wird, was man sowieso schon kennt.

feuchte Träume der Gleichberechtigung



Ich finde ja diese ganze Gleichberechtigungsdiskussion und erst recht, das, was gern mit Gender* daher kommt eher so subspannend. Teilweise reagiere ich auch genervt darauf. Je überdeutlicher und überkorrekter es wird, umso stärker wird mein Ablehnungsreflex, gern auch mal in Verbindung mit Sarkasmus. Vielleicht einfach schon, weil das allermeiste davon von Frauen kommt und ich mich daher sofort in eine Abwehrposition bewege. Ganz sicher aber auch, weil ich die Diskussionen zu allermeist extrem unentspannt und absolutistisch verstehe. Es scheint meist nur schwarz oder weiß, Freund oder Feind zu geben und wenig Möglichkeiten zu Kompromissen, geschweige denn dazu, mal die andere Sichtweise einzunehmen. Nicht nur weil es selbstreflektiert wirkt, schließe ich mich da garnicht aus.

Fucking eigene Entscheídung.

Ja, es ist die fucking eigene Entscheidung, an einem sonnigen Herbsttag voll bunter Blätter und blauem Oben raus zu gehen oder drin zu bleiben. Und es ist die fucking eigene Entscheidung, die Eindrücke nach einem erwartungsfrohen und doch ernüchternden Konzert in die Welt zu pusten oder sie für sich zu behalten. Es ist die fucking eigene Entscheidung, an der eigenen Norm, Impressionen nicht gleich, sondern bestenfalls nach einer Nacht schlaf zu bewerten oder eben diese Zeit eben nicht abzuwarten.

Von Fischen und Mustern im Gehirn

Zeichnung vom Fisch

Es ist eine Krux. Eine Endlosschleife, wie ein Möbiusband. Aber gemeint ist dennoch auch eine dieser Theorien, die in so vielen Fällen passend erscheint und (was bei Theorien vielleicht noch wichtiger ist) die bei der Betrachtung von Bekanntem neue Blickwinkel eröffnet und somit Weiterdenken ermöglicht. Es geht um Muster. Genauer gesagt geht es um die Unterstellung, dass unser Gehirn genau dazu entwickelt ist Muster (bzw. Strukturen) zu detektieren.

Die Angsthasensaison ist eröffnet.

demobild

Hmm, scheint ja gerade so, als sei die Angsthasenjagd eröffnet. Ich meine, was sich an und in dieser ganzen Bundestrojaner- und TK-Überwachungstrojaner-Angelenheit (oder wird es gar eine Affaire) zeigt, ist doch, dass Politik, das politische und staatliche Tagesgeschäft, das Vorgaukeln einer staatlichen Ordnung, das alles funktioniert so nicht mehr.

Eigentlich würde ich als Titel gerne "Armut an Menschlichkeit" nehmen, aber so ganz trau ich mich das nicht.

Bild eines Orangeherzen

Da war letzte Woche diese Szene beim Fleischer, der allmontaglich das Mittagessen sichert. Ein Ort der (sicherlich auch aufgrund der geringen lukullischen Alternativen in der Gegend) zur "Mahl-Zeit" ein oft kurioses Biotop aus (Bau-)Arbeitern und Büroangestellten darstellt, in das sich ab und an Idividuen aus den nach oben und unten angrenzenden, sozialen "Schichten" verirren. So auch vorletzten Montag.

Eine zwiebeltechnisch eingepackte Frau mit Kopftuch, Tragetasche und einem dieser Hand-Taschen-Wagen, wie sie Deine Mudda Oma hatte, betrat vor mir das Fachgeschäft für tierisches Eiweis. Man sah ihr sofort an, dass sie nicht viel hatte und bemerkte auch bald darauf, dass diese Einschätzung sich bis in ihr soziales Handlungsspektrum ausdehnte. Der Begriff "sonderbar" wäre sicherlich nicht strapaziert gebraucht gewesen.

Die Welt ist keine Modelleisenbahn.

Ich bitte euch, liebe Verantwortliche im leinen und großen Kontext, hört endlich auf so zu tun, als ob ihr die Welt im Griff hättet. Hört auf so zu tun, als könntet ihr Schlimmes verhindern. Hört auf so zu tun, als wüsstet ihr mehr über das Chaos da draußen, als jeder andere.

Bitte lieber Barack Obama, hör auf so zu tun, als sein ein Hurrican ein Krieg den man gewinnen müsste oder auch nur könnte. Ein Hurrican ist Strum mit viel Wind und viel Wasser, da gehen Dinge kaputt und es wird nass, vielleicht auch sehr nass. Aber er ist kein Gegner und kein Feind. Er ist Ergebnis der Entwicklung dieses Planeten und gestaltet sie teilweise mit. Er hat keine Seele und verfolgt keine Absicht. Er ist nicht böse, auch wenn er viel Übles anrichten kann.

Wir leben NOCH nicht mehr im Mittelalter. (Aus Religion und Gesellschaft)

Da auf dieser dämlichen dradio-Seite natürlich kein Eintrag zur eben gelaufenen Sendung "Studiozeit - aus Religion und Gesellschaft - Glocken contra Muezzin" zu finden ist, kann ich auch nicht darauf verweisen. Jedenfalls lief eben besagte Sendung (und man könnte sich natürlich fragen, warum die Redaktion oder die (christiliche) Kirche oder wer immer für die Sendung verantwortlich ist kein Interesse daran hat, dass man die Sendung verlinken kann, denn Links sind ja ebenso wie Religionen eine Weltanschauung) und das Thema der Sendung war, muslimische Gotteshäuser vs. christiliche bzw. wo Religionsfreiheit aufhört und anfängt und wie laut und oft ein Muezzin innerhalb einer "über Jahrunderte christliche geprägten" (so hat es wohl das Bundesverfassungsgericht mal formuliert) Wohnsiedlung zum Gebet rufen darf. während Kirchenglocken munter vor sich hin flöten dürfen.

Vielleicht gibt es nur zwei Sorten von Menschen auf der Welt:

Die, die denken der Mensch steht/lebt in Konkurrenz zu (den) anderen und die, die die ganze Sache kooperativer sehen.

Immerhin eine wirklich exitenzielle Frage, wenn man es sich genauer anschaut beziehungsweise mal mit ein paar Leuten darüber spricht. Existenziell, weil eine Antwort darauf eine grundlegende Einstellung DEM_ANDEREN(TM) gegenüber widerspiegelt. Und damit prinzipielle Erwartungs-, Denk- und Verhaltensweisen hervorruft. Nicht nur (aber auch) im pädagogsichen Kontext spielt es daher eine entscheidende Rolle, welcher der beiden Sichtweisen man sich eher verschreiben würde. Die beiden extremen Absolutismen klammere ich mal aus, auch wenn sie sich für eine zugespitzte Diskussion hervoragend eignen, aber ich will das ganze eher tendenziell betrachten, denn niemand ist hunderprozentig Egomane oder Altruist.

Das Chaos da draußen

Ach herrlich. Diese Tage an denen man zwischendrin feststellt: "Wäre mein W-LAN heut nicht schon dreimal abgeschmiert, hätte ich noch nichts gegessen und läge noch im Bett." Tage in denen man so leben kann, wie die Helden aus den Romanen. Losgelöst von Raum und Zeit. Hier ein wenig in Erinnerungen schwelgen, dort ein bisschen kreativ sein, gute Gedanken entwickeln und Ideen. Etwas Surrealität und Drama und ab und an ein Anwurf an Sex oder Zärtlichkeit. Ein Zeitfenster, das einen Blick auf die Welt und ihre Verhältnisse zulässt, ohne existenzialistische Furcht.

Man kann sich den Fragen des Alltags stellen oder ihren Matphern in der Politik. Man kann die Seele baumeln lassen (was für eine Metapher! Warum hat die Politik nicht solche?). Oder man plant. 

Die eine oder andere Erkenntnis - zum Glück.

Ich bin weder so offen noch so ehrlich noch so schonungslos, wie ich gern wäre. Zumindest ist das das Ergenbis der ersten paar Stunden in der wiedergekehrten Realität (oder wie immer man das, was nun wieder im Wochenrhythmus vorüberschäumt, nennen mag). Ich habe mal wieder ein größeres Stück in einem Buch gelesen. Um genau zu sein in Haruki Murakamis (der ja schon öfter hier aufgetaucht ist) Sputnik Sweetheart.

Circle of Life.

Hmm. Irgendwie passt 'circle of life' nicht richtig als Titel, aber ein besserer fällt mir gerade auch nicht ein. Es ist nicht der gesamte Kreis des Lebens, der mir gerade durch den Kopf geht. Es sind aber Teilstücke, die sich am Rande tummeln.

Tod und Patenschaft.

Wie geht man damit um, wenn man erfährt, dass man tödlich krank ist, aber eigentkich ganz gut klarkommt und ein konkretes Ende nicht wirklich absehbar ist? Und auf der anderen Seite: Wieweit ist man bereit sich in seinen persönlichen Plan hineinfunken zu lassen, weil man glaubt jemanden passenden/besonderen gefunden zu haben? Ist die zweite Frage angesichts der ersten noch wirklich relevant? Kann man die erste ohne die zweite wirklich ernst nehmen?

Was gibt es noch zu verlieren? Zu erleben? Zu gewinnen?

Und dann kommt die Realität und zeigt dir, dass sie sich mehr um so Dinge wie Würde und Eigenständigkeit und Zeitvertreib kümmert. Darum, ob du dir noch selbst den Arsch abwischen und ein Marmeladenbrötchen schmieren kannst. Ob die Fernsehgebühren bezahlt sind und wann mal wieder jemand vorbei kommt.

Netzneutralität, Internet-Enquette und ein angenehmes Gefühl



Im Grunde ist es eine angenehme Mischung, das Gefühl, das sich bei mir in Bezug auf diese Netz-Neutralitäts-Enquette-Diskussion einstellt. Ein angenehmes Gefühl zu einer sehr unangenehmen Sache, aber da es sich aus Empörung und kopfschüttelnder Resignation zusammensetzt, scheint sich ein gut erträglicher Mittelwert herauszubilden. Netzneutralität?

Netzneutralität bedeutet, dass sämtliche Daten und Datenpakete (also die Häppchen an digitialen Informationen, die im eigentlichen Sinne den "Verkehr" im Internt haben darstellen) gleichwertig behandelt werden. D.h., dass bei der Weiterleitung dieser Häppchen zwischen Computern, Netzwerken, Internetanbietern und Kunden, egal ist, ob gerade eine E-Mal, Werbung, ein neues Schweinchen für Farmville oder Porn vorbeischwirrt. Netzneutralität ist quasi der Grundgesetzartikel 3, Absatz 3 (Benachteiliungsverbot) der Digitalität.

Rocket Sience und gesellschaftliche Chancen

Bei Fefe gab´s in den letzten Tagen gleich zwei Meldungen, die bei mir die Frage aufwarfen, was eigentlich technisch wirklich möglich wäre in Bezug auf Weltverbesserung/-rettung, wenn sich mehr Leute auf solche Projekte konzentrieren würden/könnten.

under pressure

Was für ein Luxus das ist, entscheiden zu können, welchem Druck man sich ausliefert und wann man einfach "Stopp, es reicht!" sagen kann. Vor allem sich selbst gegenüber. Eine unglaubliche Erleichterung diese nervöse, unterschwellige Anspannung auflösen zu können.

Optimal wäre natürlich, das eigene Bedürfnis nacht "etwas tun wollen" jeweils passend auf die Dinge lenken zu können, die gerade "dran" sind. Aber hey, damit würde man ja die Hälfte der Bediensteten auf hiesigen Finanz- und sonstigen Ämtern auf einen Schlag arbeitslos machen. Zusätzlich müsste man sich für die plötzlich wirklich frei werdende Zeit ernsthaft überlegen, was man damit anstellt. Die gewohnte Druck-Verweigerungs-Aufschiebe-Erledigen-Belohnen-Kette würde ja zerreißen. Es gäbe nichts mehr zu belohnen. Keine Schocki :( Das kann weder jemand wollen, noch von anderen verlangen.

Dinge lernen

"Gewissermaßen schließt du Freundschaft mit dem Tod und sprichst dich sozusagen mit ihm aus." steht auf einer der letzten Seiten von Murakamis "Kafka am Strand" (der war ja schon ein paarmal hier). In der Szene wird erklärt, mit welcher Einstellung man Surfen lernt und irgend wie finde ich das ziemlich schlüssig.

Man lernt Dinge dann, wenn man zwei entscheidende Ängste verliert. Die vor der Zeit und die vor dem unmittelbaren Tod. Es wird beschrieben, dass man - um RICHTIG Surfen zu lernen - eine lebensgefährliche Situation beim Surfen er- (und natürlich über-) lebt haben müsse. Diese führe zu obiger Erkenntnis, dass die eigene Vergänglichkeit, das persönliche Scheitern eben immer elementarer Bestandteil eines Lernprozesses ist.