
Gerade geht ein #aufschrei durch Twitter und neben den erwartbaren (gerade auch in und von mir erwartbaren) Abwehr- und Relativierungsreflexen, gebe ich dem seit eigen Tagen wachsenden Impuls nach, mal wieder etwas aufschreiben zu wollen. Nicht, dass es einen konkreten Anlass gegeben hätte oder sich akut einer darstellt. Es handelt sich wohl eher um die ursprünglichste Form der Gedankenverarbeitung, die mich dazu bringt: Die Gestaltwandlung.

Zwischenstand: Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass das Verheimlichen der Dinge, die wir über uns wissen (neudeutsch: Daten) nicht zu mehr Autonomie im gegenseitigen Umgang beiträgt. Vielmehr führt das Pochen und Berufen auf die Rechte der Persönlichkeit, der Betriebsgeheimnisse oder benötigten Bevollmächtigungen zu einem extrem verzerrten Bild der ... Welt.

Man kann ja so viel falsch machen. Die falsche Wurst kaufen, zum Beispiel. Überhaupt Wurst kaufen und essen. Ist falsch. Falsch, weil - naja - irgendwie geht da halt viel Wasser drauf in der Produktion und Weizen wird verfüttert, der anderswo fünfmal so viele Menschen sattmachen würde, wie die Wurst die ich kaufe. Oder war es Mais? Soja? Jedenfalls sowas, was nicht so gut schmeckt.
Man kann sich reinhängen in Dinge und dann feststellen, dass man nur einen kleinen Ausschnitt vom Ganzen gesehen hat und man bei näherer oder weiterer Betrachtung zu einem ganz anderen oder entscheidend anderen Ergebnis gekommen wäre. Man kann sich das Ganze anschauen oder den Teil.
Beides ist falsch. Beides wird dem anderen nicht gerecht. Man kann sich über die Entwicklung der Bildung in Deutschland echauffieren. Man kann die Situation der Schulen, Kitas, der Hochschulen für fehlgeleitet halten. Kann die Prämissen unter denen auch 2012 immer noch gelernt wird verurteilen, für schädlich und schändlich halten. Es wird dem Ganzen nicht gerecht.

Ich finde es erstaunlich. Erstaunlich zu sehen, wie Menschen es schaffen weitgehend sprachgefühlsfrei durchs Leben zu gehen. Menschen deren tägliches Geschäft und Haupttätigkeit es ist, mit Sprache umzugehen, sie zu benutzen und durch sie zu arbeiten. Menschen die vorgeben verinnerlicht zu haben, dass Sprache das Bewusstsein bestimmt. Die vorgeben davon überzeugt zu sein, dass Realität durch Sprache, durch das gezielte Benutzen oder Auslassen von Begrifflichkeiten geformt wird, ohne zu Begreifen, dass auch instrumentalisierte Begriffe sowohl einem Bedeutungswandel unterliegen als auch eine Mehrdeutigkeit abhängig vom Kontext zulassen.
Ich finde es erstaunlich, wenn ich sehe, dass ignoriert wird, dass diese Begriffe in der Wahrnehmung der Bevölkerung mehrere Bedeutungen (sogar für eine einzelnen Person) haben können. Dass gerade eine Instrumentalisierung der Sprache dazu führt, dass sich die Bedeutung ihre Wege sucht, um in diesem Instumentenkasten zur Geltung zu kommen. Zwischen den Zeilen, in Doppeldeutigkeiten, in Betonungsvarianten etc.

Hier liegt ein Zettel auf dem steht "Filter". Damit ich das nicht vergesse, weil ich was über Filter schreiben wollte. Nicht über das Zeug, was in Abzughauben so widerlich wird, auch nichts mit Rauchen und auch über diese unsägliche Methode Kaffee zuzzubereiten möchte ich hier nichts weiter verlieren. Filter, die uns den Zugang zur Welt ermöglichen, dass soll das Tema sein.
In den letzten Wochen tauchte immer wieder der Begriff der "Filter-Bubble" auf, den wohl Sascha Lobo geprägt hat, um zunächst ein Prinzip der (heutigen) Mediennutzung zu beschreiben. Kurz gesagt meint "Filter-Bubble" eine imaginäre Blase in der man sich "bewegt", deren hauchdünne Ränder sich dadurch auszeichnen, dass sie - ähnlich wie die Haut einer Seifenblase die Welt drum herum - die Innenwelt widerspiegeln, sodass man immer nur mit dem konfrontiert wird, was man sowieso schon kennt.

Ich finde ja diese ganze Gleichberechtigungsdiskussion und erst recht, das, was gern mit Gender* daher kommt eher so subspannend. Teilweise reagiere ich auch genervt darauf. Je überdeutlicher und überkorrekter es wird, umso stärker wird mein Ablehnungsreflex, gern auch mal in Verbindung mit Sarkasmus. Vielleicht einfach schon, weil das allermeiste davon von Frauen kommt und ich mich daher sofort in eine Abwehrposition bewege. Ganz sicher aber auch, weil ich die Diskussionen zu allermeist extrem unentspannt und absolutistisch verstehe. Es scheint meist nur schwarz oder weiß, Freund oder Feind zu geben und wenig Möglichkeiten zu Kompromissen, geschweige denn dazu, mal die andere Sichtweise einzunehmen. Nicht nur weil es selbstreflektiert wirkt, schließe ich mich da garnicht aus.

Heute wird´s kindisch. Wie würden Monster aus Kinderzeichnungen aussehen, wenn sie realistischer und "erwachsener" gemalt würden? Dieser Frage widmet sich Dave Devries in seinem Projekt TheMonsterEngine. Dave Devries illustriert ansonsten Comics für Marvel und andere Verlage und kam eines Tages beim Betrachten der Kritzeleien seiner Nichte auf die Idee, seine technischen Umsetzungen auf diese "Doodles" anzuwenden.

Es ist eine Krux. Eine Endlosschleife, wie ein Möbiusband. Aber gemeint ist dennoch auch eine dieser Theorien, die in so vielen Fällen passend erscheint und (was bei Theorien vielleicht noch wichtiger ist) die bei der Betrachtung von Bekanntem neue Blickwinkel eröffnet und somit Weiterdenken ermöglicht. Es geht um Muster. Genauer gesagt geht es um die Unterstellung, dass unser Gehirn genau dazu entwickelt ist Muster (bzw. Strukturen) zu detektieren.
Nicht nur, dass jedes, das im Internet Texte, Bilder oder sonst etwas veröffentlicht (und mit "veröffentlichen" sind auch Twitter und Facebook gemeint) diesen Vortrag von Strafverteidiger Udo Vetter gesehen haben sollte, der am 13. Oktober in Düsseldorf aufgezeichnet wurde. Meiner Meinung nach (!) sollte sich jedes, das sich mit dem Gedanken trägt in der Öffentlichkeit den Mund aufzumachen, diese knapp anderthalb Stunden zu Gemüte führen.
Herr Vetter liefert neben den klassischen Fragen zu Urheber-, Zitat- und Meinungsrechten auch Antworten darauf, was zu tun ist, wenn ein Polizist einem seine Kamera wegnehmen oder das Fotografieren verbieten will. Ebenso geht er auf die Impressumspflicht ein, Kommentarverwaltungsanforderungen, das Fotografieren in der Öffentlichkeit generell und das Recht am eigenen Bild. Schön dabei ist, dass das alles weitgehend polemikfrei und an praktischen Beispielen veranschaulicht wird.

Da war letzte Woche diese Szene beim Fleischer, der allmontaglich das Mittagessen sichert. Ein Ort der (sicherlich auch aufgrund der geringen lukullischen Alternativen in der Gegend) zur "Mahl-Zeit" ein oft kurioses Biotop aus (Bau-)Arbeitern und Büroangestellten darstellt, in das sich ab und an Idividuen aus den nach oben und unten angrenzenden, sozialen "Schichten" verirren. So auch vorletzten Montag.
Eine zwiebeltechnisch eingepackte Frau mit Kopftuch, Tragetasche und einem dieser Hand-Taschen-Wagen, wie sie Deine Mudda Oma hatte, betrat vor mir das Fachgeschäft für tierisches Eiweis. Man sah ihr sofort an, dass sie nicht viel hatte und bemerkte auch bald darauf, dass diese Einschätzung sich bis in ihr soziales Handlungsspektrum ausdehnte. Der Begriff "sonderbar" wäre sicherlich nicht strapaziert gebraucht gewesen.

Ich bitte euch, liebe Verantwortliche im leinen und großen Kontext, hört endlich auf so zu tun, als ob ihr die Welt im Griff hättet. Hört auf so zu tun, als könntet ihr Schlimmes verhindern. Hört auf so zu tun, als wüsstet ihr mehr über das Chaos da draußen, als jeder andere.
Bitte lieber Barack Obama, hör auf so zu tun, als sein ein Hurrican ein Krieg den man gewinnen müsste oder auch nur könnte. Ein Hurrican ist Strum mit viel Wind und viel Wasser, da gehen Dinge kaputt und es wird nass, vielleicht auch sehr nass. Aber er ist kein Gegner und kein Feind. Er ist Ergebnis der Entwicklung dieses Planeten und gestaltet sie teilweise mit. Er hat keine Seele und verfolgt keine Absicht. Er ist nicht böse, auch wenn er viel Übles anrichten kann.
ab gehter!