Monster des Monats Dezember 2011

So, dann schaun wir mal. Was war denn im Dezember... Ach ja, für den Dezember wollte ich mir ja mal was Klassisches nehmen. Ein Horn.

Dem Wortwitzekönig kribbelts bestimmt schon in der Zunge. Zusehen auf dem obigen Bild von Franz Sedlacek, dass ich bei Monsterbrains entdeckt habe, ist ein wahrhaftes Einhorn. Eine Spezies, die - im Vergleich zu ihren viel häufiger vorkommenden Verwandten, den Nullhörnern - sehr selten anzutreffen ist. Rechtzeitig zur Weihnachtszeit wird sogar (und wurde auch in 2011) der Brauch gepflegt, den Mythos aufrecht zuerhalten, von den Einhörnern gäbe es lediglich noch ein einziges, das somit das gesamte Schicksal seiner Art, nebst einem (laut eigenen Aussagen) drittklassigen Zauberer und einer Dahergelaufenen auf seinem Rücken trägt. Und jedes, das jetzt an America denkt, weiß genau, welches frühkindliche Trauma hier gemeint ist. (Alle anderen können ja den Link klicken ;)

Aber schauen wir mal auf das Bild. Sedlacek geht in seiner Interpretation recht weit von der klassischen Darstellung als Pferd mit Horn weg. Zwar ist die Anantomie grob die gleiche, jedoch erwecken der Kopf und die Gesichtszüge des Wesens doch eher den Eindruck, eine Ziege vor sich zu haben. Eine Ziege mit ausgeprägtem Sinn für Augenmake-up, wohlgemerkt. Auch die gespaltenen Zehen zeigen eindeutig, dass wir es mit einem Paarhufer zu tun haben. Und ja, mein erster Endruck wäre auch, es für einen ihn zu halten. Der Gesichtsausdruck und der Umstand der im Wald um- und scheinbar hinterherirrenden Frau legen diesen Verdacht nahe. Das Streifenmuster auf dem Rücken lässt sich in dieser Form keiner Gattung genau zuschreiben und so bleibt nur die Vermutung, der Künstler könne sich bei Zebras oder Okapis orientiert haben, etwa so, wie der Dresdner Bäcker sich für seine Tigerbrötchen an Leoparden orientiert.

Leider weiß ich nicht, wie hoch die Körpertemperatur von Ziegen und anderem Spaltgehuf ist und kann daher auch nicht einschätzen, ob es sich in diesem Fall ebenfalls um das Kennenlernen und Ausleben erster frühpubertärer, aber nicht direkt geschlechtlich gerichteter, sexueller Regungen bei einem Mädchen handelt, wie es ansonsten in der Ronnyhofbranche üblich ist. Aber ausschließen will ich es auch nicht.

Was noch? Die Bäume (Nadelbäume) lassen auf sehr untypische Art ihre Nadelreste hängen. Normalerweise tun Nadelbäume das nicht. Wie wir alle wissen (und neulich auch von Harry Rowohlt nochmal schön erzählt bekommen haben) können diese Bäume zwar spontan und langanhaltend nadeln, also ihr Nadelwerk abwerfen, aber eben nur sehr eingeschränkt hängen lassen. Dennoch erweckt dieses Hängenlassen der Nadeln einen Eindruck von Traurigkeit. Wie insgesamt das Bild ein Gefühl der Unharmonie erzeugt. Die nachlaufenden Frau, der skeptische-grimmige, rückwärts gewandte Blick des Fabelwesens, das unwegsame Gelände, die Trennung beider durch ein Wasser unbekannter Tiefe - all das lässt nicht erwarten, dass hier eine baldige Win-Win-Situation zu erwarten steht.

Die Pilze links unten vor den Bäumen haben bestimmt auch etwas zu bedeuten. Vielleicht, dass Herbst ist.

"Lauf niemals weg vor etwas unsterblichen! Es erregt seine Aufmerksamkeit!"

Vielleicht sollte man dieses Zitat noch insofern ergängen, als dass man gleichwohl nicht etwas Unsterblichen hinterherlaufen soll.

Zwei, drei andere Kreaturen, die mir im Dezember über den Weg gelaufen sind, gibt´s wie immer hier zu sehn.

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