
Im Grunde ist es völlig egal, ob man weiß warum man Rosinenbrötchen mit Butter drauf mag. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten sich damit auseinanderzustetzten. Man könnte analysieren, welche Inhaltsstoffe man sich selbst mit dieser Kombination zuführt und spekulieren welchen Mangel der Organismus damit bemüht ist auszuglechen. Man könnte biografisch nachforschen, wann man wo bei oder mit wem das erste Mal dicke, gelbweiße Scheiben auf die goldbraune Heferosinenmasse geschmiert hat und was es für einen bedeutet, damals und heute. Man könnte überlegen, welchen Zweck dieses reduzierte, umkomplizierte Mahl gerade erfüllt und versuchen abzuschätzen, ob es ein Symbol ist, ein Hinweis. Man kann es einfach nur tun. Nicht darüber nachdenken, keinen Wert darin suchen, keinen Bezug herstellen.
Es ist im Grunde völlig egal, ob man weiß warum man so oder anders mit einer Alltagsbeobachtung wie Rosinenbrötchen umgeht. Es ist vermutlich nicht mal wichtig, zu wissen ob man sie so oder anders behandelt. Ab einer gewissen Abstraktion in die eine oder andere Richtung, verliert allles jegliche Bezüglichkeit. Die genauere Betrachtung einer Sache ist irgendwann genauso befremdent, als würde man sie garnicht wahrnehmen. Sämtliches Bewerten wird dann reine Spekulation. Wie die Temperaturprognose, bei der nach wenigen Tagen der Variabilitätsschatten im Hintergrund nahezu das gesamte Spektrum am Wärmezuständen mit einschließt. Es stellt sich eine inhaltliche Leere ein.
Warum ist es dann so interessant? Warum begibt man sich so bereitwillig in diese hochspekulativen Gedankenwelten? Warum verliert man sich sogar gerne darin? Ist es ein Verfallen in Allmachtsphantasien? Kann man im Allmöglichen alles Mögliche wirklich erfahren? Nähert man sich dadurch einer zeitgleichen Befriedigung der Maslowschen Pyramide an?
Dabei befriedigt doch schon ein Rosinenbrötchen dick mit Butter bestrichen und dazu ein warmer Kräutertee in Kombination mit den Eindrücken aus Murakamis "Kafka am Strand" einen hohen Grad an umfassender Bedürfnisbefriedigung/Konfusion. Gleichzeitig verführt dies aber auch dazu, der dramatischen Romantik zu verfallen. Raum, Zeit und Verhältnismäßigkeiten hinter sich zu lassen und einfach allein in den tiefen Wald zu gehen.
ab gehter!