FUCK U, Dave Gahan! (oder Vorurteilsfreiheit vs. Realität)

Ich meine: Gibt es etwas vorurteilsfreieres, als freiwillig mit auf eine Depeche-Mode-Party zu gehn?

Ich mag ja Klischees im Prinzip. Sie sind schließlich sowas ähnliches wie Erfahrung, zumindest fühlen sie sich oft so an. Und hey, welche Erfahrung auf die man moralisch-etisch einwandfrei zurückgreifen kann, ist schon wirklich reflektiert. Die meisten Erwartungen, die über rudimentäre, physikalische Rahmenbedingungen hinausgehen, sind doch eher einer Mehrheitskonformität zuzuschreiben, denn dem, was persönlich erfahren wurde. Doch meine Meinung bezüglich DeMo bestätigt sich wirklich aus sich selbst heraus immer wieder, auch wenn es angenehm ist zu erfahren, dass es anderen da nicht anders geht. Es ist einfach langweiliger Kram - fertig.

Umso mehr also, sollte ich mir doch Vorurteilsfreiheit zuschreiben können, wenn die Aussicht auf eben dies nicht zu einer negativen Grundstimmung entlang des Abends führt. Dass die Ursache dafür eher sozialer Natur war, spielt dabei ja eigentlich keine Rolle. Wenn ein Setting dazu führt verfestigte Stigmata aufzulösen oder wenigstens soweit abzumildern, dass die individuell "normalen" Reiz-Reaktions-Muster nicht anspringen ist das doch prima.

So surfte der Abend also auf einer Woge Wohlgesonnenheit dahin, unbeeindruck von Schall und Rauch und diesen hässlichen, kleinen Eventualitäten, die ansonsten gern mal feuchtes Vergnügen trüben. Nach kleineren, technischen Unsicherheiten zu Beginn stand ich schon bald erstaunlich sicher auf dem Brett und es stellte sich ein Gefühl relativer Sicherheit ein. Naja (und jede/r dramaturgisch nicht ganz Unkundige wird bereits mit der Ausschüttung von Adrenalin begonnen haben), es blieb nicht bei der flotten Fahrt.

Realität, die alte Hure, zog auf, peitschte den Abend, sämtliche Flüssigkeiten und Sportgeräte vor sich her und über den Haufen. Brach Bretter, zerfetzte Segel und Sandburgen, vertrieb die Zuschauer vom Strand und verdunkelte den sternenklaren Himmel. Und das Einzige was durch den Druck und das Dröhnen des Windes hindurch weiterhin zu hören war, war der monotone Gleichklang von Depeche Mode, ganz so, als würde er aus einem Bunker kommen, von all dem hier vollends unbeeindruckt bleiben und nur dafür gemacht, Klischees zu produzieren, die nach dem Unwetter noch lange als Schlieren in den Pfützen schimmern. FUCK U, Dave Gahan!

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