Monster der Monats September 2010

Chun Lo

Im September war´s schwer sich zu entscheiden. Daher erlaube ich mir einfach diesmal zwei Bilder hier zu zeigen. Und um die Ungleichbehandlung der Reihenfolge möglichst klein zu halten hier gleich das nächste.

Bogdan Stetsenko

Ich war nämlich unlängst in Berlin in der Neuen Nationalgalerie zur "Moderne Zeiten"-Querschnittsausstellung ihres Bestandes. Zum einen habe ich dabei bemerkt, dass es schon einen Unterschied macht gemalte Bilder in Echt anzuschauen, im Gegensatz zu digitalisierten Bildern (bspw. der Dalí im Surrealismuszimmer war sowas von um Längen vor dem ganzen anderen Kram da, dass jeder noch so künstlerisch ungebildete (etwa ich) unmittelbar die handwerkliche Präzision und Qualität sehen konnte), zum anderen haben mich diese beiden Bilder hier von ihrem Gesamteindruck durchaus an Werke von Beuys und generell die Stimmungen und Assotiationen der Malerei von 1900 bis 193x erinnert.

Das zweite der hier gezeigten heißt dann ja auch "beuys - all grizz". Das hab ich erst jetzt gemerkt, obwohl mich die Ästhetik schon beim Finden angsprochen hat. Die bionische Kombination und der extrem starke und agressive Ausdruck des Bären legte die Verbindung Verschmelzung von Technik und Natur nahe. Ähnlich wie dies bei Beuys´ diversen Kriegsschauplätzen zu sehen ist, in denen der Mensch (oder was von ihm übrig ist) mehr und mehr in die Landschaft hinein verrottet.

Der Bär hier ist noch sehr lebendig, aber eben durch die Implementierung der technischen Komponenten (vllt. ist es sogar der 7-Millionen-Dollar-Bär?) doch auch schon als defekt, kaputt und damit vergänglich gekennzeichnet. Trotzdem scheint er sein Tun in keiner Weise in Frage zustellen. Vielleicht haben "die-da-oben" (TM) ihm befohlen und er gehorcht (lediglich Befehlen). Zumindest die Verkabelung kann man als Hinweis auf eine exterinsische Steuerung verstehen.

Noch mehr in der "Auflösung im Kampf" begriffen, sind die beiden Figuren im ersten Bild. Es handelt sich hierbei um eine Adaption einer Resident Evil-Kapfsequenz. Das Setting, die zerstörte Stadtkulisse, auch der Stacheldraht im Vordergrund haben dabei meine Verbindung zu den Kriegsbildern Anfang des 20. Jahrhunderts geweckt. Auch hier wird deutlich, dass die Auseinandersetzung auf einer "koste-es-was-es-wolle-Ebene" geführt wird. Im Grunde liegt die Welt - als das, worum sich Gut und Böse streiten - in Schutt und Asche, aber selbst das führt nicht zu einem Innehalten.

Wer die Resident Evil Serie kennt, weiß, dass es in dem Fall auch ganz konkret um die Auseinandersetzung des Individuums mit den Mächten und Mächtige von Oben geht. Wie wehrt man sich gegen strukturelle Gewalt die ihre Exekution an Gehorsame nach unten deligiert und selbst nicht greifbar wird? Was sind die elementaren Fragen? Wie überlebt man? Und wenn man einige Momente Zeit zum Nachdenken und Luftholen bekommt: Warum will man überhaupt noch überleben?

Und an der Stelle (und obwohl ich es asolut nicht gedacht hätte) kann ich dann doch tatsächlich noch auf das Verweisen, was eure Regierung gedenkt einzusetzten, damit ihr ihnen nicht mehr sagt, wenn ihr sie für doof haltet. Von wegen Machtexekutionsdelegation und so.

Vermutlich ist es das, was Kunst ausmacht: Sie abstrahiert vom Konkreten, um in einem vereinfachten Rahmen über das alles mal nachdenken zu können. Muss man halt nur den für sich selbst geeigneten Anstraktionslevel finden.

P.S. Das sind doch Lüftungsschlitze, da hinten an der Cobra 10.000, oder? Flüssigkeit läuft doch durch Schlitze, oder?

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