Sehnsucht.

Es gibt Dinge, die musst du wohl mit dir selbst ausmachen. Dinge, die dich ewig verfolgen, ewig an dir haften und ziehen und zerren. Die du meinst, mit Ablenkung oder Konfrontation lösen zu können. Dinge, die Thema sind und bleiben, vordergründig und bewusst und - aufwändiger - im Hintergrund, kurz unter der Oberfläche der alltäglichen Operationsebenen. Unauffällig strudelnde Schatten, die ganz leicht den Fluss der Umwelt verändern, sodass nur du als geübter, auf sie trainierter Beobachter ihre Anwesenheit bemerkst. Allen übrigen bleiben sie bis zu einer eventuellen Erläuterung verborgen.

Du spürst sie immer im Nacken und erschrickst dich hier und da, wenn du wirklich für einen kurzen Moment nicht an sie gedacht zu haben glaubtest. Das kommt selten vor, sind sie doch tief verwoben in dein Wahrnehmungs- und Bewertungssystem und in diesem ständig präsent. In jeder Minute baust du eine neue oder stolperst über eine alte Verknüpfung zur eigenen Sehnsucht und selbst in den fehlinterpretierten Bezügen verstecken sie sich mit einer hartnäckigen Ironie.

Sie treiben dich nachts um und sonnen sich tagsüber in der Welt, wie diese Figuren in den Suchbildern. Schieben lässig ihre Sonnenbrille ein kleines Stück herunter, grinsen und zwinkern dir ein "memento mei" zu, wenn du sie entdeckst ... als ob sie dich daran erinnern müssten. Sie wuseln diffus entlang aller Aufmerksamkeitsränder des Tages und überwältigen dich in den nebligen Phasen der Bewusstseinsübergänge.

Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, wie oft sie dich nerven, pisacken, an den Rand des Wahnsinns treiben. Nicht, wie oft Du dagegen ankommst, Dich ablenkst, doch wieder auf sie hereinfällst. Und nicht, wie lange oder kurz die Abstände sind, in denen du einigermaßen ohne sie bist oder die Zeiträume, die du mit ihnen verbringst. Vielleicht geht es nur darum, sie zu sehen, zu erkennen, zu enttarnen in ihren vielen Verkleidungen. Darum sie bloßzustellen, ihnen ins Gesicht zu schauen, die Hand zu heben, ihnen deine drei Mittelfinger waagerecht und eng nebeneinanderliegdend unter die Nase zu halten und sie aufzufordern, sie möchten doch bitte zwischen den Zeilen lesen.

Vielleicht geht es nicht darum die Sehnsucht zu überwinden, zu befriediegen oder ruhig zu stellen. Vielleicht geht es darum, sich nicht alles von ihr bieten zu lassen.

Sehnsucht

Sie zu beherrschen ist wohl das Schwierigste, In sich selbst zu ruhen und in einer Ausgelichenheit zu leben ist,  die Sehnsucht zwar zu erkennen aber sie ohne einen weiteren Gedanken ziehen zu lassen, Ein langer Weg, ein guter Weg. Ich wünsch Dir gute Wegweiser dafür.

Diese Zerrbilder dessen, was

Diese Zerrbilder dessen, was man Erinnerung/Sehnsucht nennt, sind Gegenwart und Zukunft, ein Teil deinerselbst. Als solche sollte man sie ansehen und mit ihnen leben, ohne sie zu verachten oder zu verscheuchen . Die Vergangenheit ist nunmal nicht änderbar.

Ist es nicht ein Indiz dafür, dass man "lebt"?

Jetzt

Ja, es ist wohl egal ob man sie als Zeichen des Lebens oder des Todes sieht (wäre eh das gleiche), sie sind Erfahrungen und somit Teil der Selbstdefinition. Aber eben auch nur ein Teil, sie sollten nicht dauerhaft das Jetzt bestimmen/können/dürfen.

Mal anders herum gedacht: Was

Mal anders herum gedacht: Was wäre das Leben ohne Sehnsucht? Somit hat man doch automatisch ein Ziel im Leben.

Also das wonach man sich sehnt,

muss man ja vorher zunächst mal erlebt haben. Oder sich zumindest einmal vorgestellt haben (Werbung, Träume, Wünsche), um es vermissen zu können. Man sehnt sich ja nicht automatisch nach bestimmten Dingen, sondern eben immer nur nach Erfahrenem.

Dann wäre in der Überlegung das Ziel, das (positive) Erfahrene wieder (möglichst oft) herzustellen. Klingt iwie ein bischen komisch. Zumal das in der Absolutheit bedeuten würde, man käme zu einem Stillstand irgendwann. Und Stillstand kann nicht das Ziel des Lebens sein, sonst wäre es ja gleichzeitig sein/der Tod.

Es ging mir ja gerade darum, sich nicht von den Sehnsüchten zu sehr beeinflussen zu lassen und sich eben gerade gegen ihre (spontane, durchdringende) Ausrichtung auf das zu konzentrieren, was einen weiter bringt.

Ja, ich denke wirklich, Sehnsüchten zu folgen, ist eher Stillstands-/Todesgerichtet als wegweisend. Nicht, dass man sich mal was gutes tun sollte, aber man lernt nichts neues, wenn man nur bei dem bekannten Guten bleibt.

Sehnsucht entsteht nicht nur

Sehnsucht entsteht nicht nur aus dem was man erlebt hat und wenn es gut war wieder erleben möchte. Sehnsucht entsteht auch durch etwas was man nie hatte. Weil man weiß das es gut ist. Weil man weiß das es für einen selbst richtig ist. Woher man das weiß?  ich spüre es vom Kopf bis Fuß. Es ist in mir, so wie ich spüre dass ich Hunger habe oder Durst. Da kann man Glück haben und sie wird erfüllt oder man jagt ihr ständig hinterher.  Wie der Fan dem Promi.  Da kann es schon mal passieren dass man Kompromisse macht weil das große ziel so nah liegt und dann....! Sehnsucht ist ein Teil von uns da gebe ich Dir recht  und sie hält einen auch auf Trapp. Das kann man positiv oder negativ sehen. Vielleicht ist es wichtiger den Weg dorthin zu bestreiten  als sie spontan erfüllen zu wollen. Geduld ist ein Prüfstein und  Sehnsucht und Geduld die beiden hängen so nah beieinander.Einer der wegweiser die ich Dir wünsche: Kommen und gehen lassen., Neues entdecken und gehen lassen. Fühlen und gehen lassen, lieben und gehen lassen. Selbst dann wenn sie erfüllt ist diese Sehnsucht. Denn auch dann ist Geduld der Treibstoff der uns unsere Sensucht immer wieder erfüllt.

mittel oder zweck

nun ja, es kann ja sein, dass sehnsucht die triebfeder ist, sich zu bewegen auch vorran zu kommen, aber ist sie deshalb sinnvoll. oder ist es deshalb sinnvoll ihr zu folgen. es geht ja nie um die sehnsucht, es geht doch immer um die abwesenheit dessen, was fehlt. vllt ist sich bwegen besser als stillzustehen, aber noch besser wäre doch, die richtung die man wählt dfiür sinnvol und nicht für notgedrungen zu halten.

würde dir zwar gerne recht geben, dass man sehnsucht auch nach digen haben kann, die man noch nicht erfahren hat, aber spätestens ab der sehnsucht, hat man ja eine empfing diese dinge betreffend, also eine erfahrung. hunger kannst du nur einordnen, wenn du schon mal erlebt hast keinen zu haben und/oder ihn stillen zu können.

und bei der geduld kan ich dir nicht mehr folgen. ist nicht die erfüllte sehnsucht mit dem moment der erfüllung passé? bis vielelicht zum nächsten mal, aber erstmal weg? und wieso sollte die geduld der treibstoff sein, wenn doch schon die sehnsucht ist, was uns auf trapp hält?

Loslassen? ja loslassen können ist was anderes, aber das wäre auch ein anderer text. wenn der hier steht, dann ist es vielleicht der letzte...

Danke erstmal,

für einen großartigen Gedankenanstoß. Ich bin auch der Meinung dass man etwas erst kennen muss bzw. erlebt haben muss um es sehnsüchtig wieder herbei zu wünschen. (Essen und Trinken würde ich dabei allerding ausschließen und eher dem Verlangen zuordnen) Ich würde es schrecklich finden wenn jeder Tag allein durch Sie geprägt wäre. Wie lebt man dann, wenn die Gedanken immer darum drehen? Wenn selbst bei fehlinterpretierten Bezügen (im übrigen mein Lieblingssatz im Text und so wahr!) immer dieses scheiß Gefühl mit seiner Sonnenbrille da sitzt.

Auch glaub ich nicht dass Sehnsucht uns große vorwärts kommen lässt, sondern eher schwächt wenn sie zu groß wird. Oder wie treibt Sie uns vorran? Mich selbst lähmt Sie, weil ich meine Gedanken dann nicht mehr auf das wesentliche richten kann sondern in einen Zustand des leisen hinterher Trauern/ Sehnsucht verfalle.

... und wenn du gelernt hast dir nicht alles von Ihr bieten zu lassen, lass es mich wissen - Vllt kann man das dann vielbringend vermarkten. Viel Erfolg dabei! ;-)

Bitte, bitte!

Gedankenaustausch doch immer..

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